14th EUROPEAN WOOD-BASED PANEL SYMPOSIUM 2026
Zusammenfassung der Vorträge
(Text von Prof. Dr. Tunga Salthammer (Fraunhofer WKI), übersetzt von Dr. Margitta Uhde (Fraunhofer WKI)
Das 14. Europäische Holzwerkstoff-Symposium fand vom 14. bis 16. Oktober 2026 im Hotel Grand Elysée in Hamburg statt. Rund 360 Teilnehmende aus 26 Nationen diskutierten in Vorträgen und Posterbeiträgen aktuelle Themen der Holz- und Holzwerkstoffforschung. Das Programm gliederte sich in verschiedene thematische Schwerpunkte. Auf die Begrüßungsreden von Harald Schwab (Fraunhofer WKI), Kris Wijnendaele (EPF) und Raoul Klingner (Fraunhofer WKI) als Vertreter der veranstaltenden Organisationen sowie von Katharina Fegebank, Zweite Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt Hamburg, folgte unmittelbar das wissenschaftliche Programm.
Die folgende Zusammenfassung bezieht sich auf die Präsentationen und die begleitenden Materialien. Der Inhalt gibt nicht unbedingt die Ansichten des Autors oder des Fraunhofer WKI wieder.
SESSION I: BUSINESS ENVIRONMENT
Die Umwelt ist derzeit vielfältigen Bedrohungen und Herausforderungen ausgesetzt. Dazu zählen neben dem schneller als erwartet fortschreitenden Klimawandel auch geopolitische Krisen wie Pandemien und Kriege. Diese haben weitreichende negative Folgen für die Weltwirtschaft. Verschiebungen der Handelsströme führen zunehmend zur Instrumentalisierung wirtschaftlicher Beziehungen. Dies wiederum verlangsamt den Übergang zu einer nachhaltigen und „elektrifizierten“ Gesellschaft, d. h. die Abkehr von fossilen Energieträgern gerät ins Stocken. Der Bedarf an neuen Technologien hat dazu geführt, Kohlendioxid nicht mehr nur als Schadstoff, sondern auch als Rohstoff zu betrachten. Holzwerkstoffe sind dabei ein wichtiger Treiber für Innovation und Kreislaufwirtschaft. Dies setzt jedoch den Einsatz neuer und innovativer Technologien voraus. Besonders hervorzuheben ist hier die künstliche Intelligenz, insbesondere in den Bereichen Produktion, Emissionskontrolle, Sortierung und Bewertung der Produkteigenschaften.
Die Mitgliedsunternehmen der European Panel Federation (EPF) stehen für einen starken europäischen Industriezweig mit rund 100 Unternehmen und 100.000 Arbeitsplätzen. Die Holzwerkstoffindustrie hat einen nachhaltigen Weg eingeschlagen, der nicht nur die Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs Holz, sondern auch Kreislaufwirtschaft und Energiegewinnung aus Biomasse umfasst. Aktuelle Herausforderungen für die Wettbewerbsfähigkeit betreffen Energie, Handelsfragen und Importe, Regulierung, Bauwirtschaft und Rohstoffe.
Auch die europäische Möbelindustrie steht in einem sich wandelnden Umfeld vor erheblichen Herausforderungen. Die European Furniture Industries Confederation (EFIC) repräsentiert 80 % der Kapazitäten des Sektors und damit rund eine Million Arbeitsplätze. Gleichzeitig wächst der Wettbewerb durch Hersteller aus Drittländern, insbesondere aus Asien. Zudem werden der internationale Handel und der Marktzugang zu Ländern wie Indien, den Vereinigten Staaten und Kanada durch verschiedene Schutzmaßnahmen eingeschränkt. Im Zusammenhang mit der 2024 von der EU verabschiedeten Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) hat sich EFIC aktiv in den Prozess eingebracht. Dabei setzt sich der Verband insbesondere für den Schutz kleiner und mittlerer Unternehmen, fairen Wettbewerb und die Umsetzung einer EU-einheitlichen Gesetzgebung ein.
SESSION II: FRAMEWORK CONDITIONS
Der Klimawandel schreitet deutlich schneller voran als bislang angenommen. Angesichts der aktuellen Entwicklung ist das 1,5-°C-Ziel nicht mehr erreichbar. Die Welt muss sich daher bis 2100 auf eine globale Erwärmung von 2,5 bis 3,0 °C einstellen. Das Abschmelzen des arktischen Eises hat bereits begonnen und wird zu einer weiteren Zunahme extremer Wetterereignisse führen. Insgesamt entfallen 40 % der weltweiten CO₂-Emissionen auf den Gebäude- und Bausektor. Durch den verstärkten Einsatz von Holz können daher erhebliche Mengen an Treibhausgasemissionen eingespart und der Innenausbau klimapositiv gestaltet werden.
Der mehrgeschossige Holzbau wächst weltweit. Neben Hochhäusern nimmt auch die Zahl der Standardbauten zu. Gleichzeitig steigt der Anteil hybrider Bauweisen, was die Ressourceneffizienz verbessert. Damit verbunden ist jedoch auch eine zunehmende Automatisierung durch Vorfertigung und robotergestützte Fertigung. Die Bauvorschriften in Europa befinden sich im Wandel: Der aktuelle europäische Rechtsrahmen fördert Nachhaltigkeit und den Einsatz von Holz im tragenden Bau.
Seit August 2026 gelten innerhalb der Europäischen Union neue Anforderungen an die nachträgliche Freisetzung von Formaldehyd aus Produkten. Für Möbel und Erzeugnisse aus Holzwerkstoffen darf die unter festgelegten Bedingungen in einer Prüfkammer gemessene Formaldehyd-Konzentration 0,062 mg/m³ nicht überschreiten. Die Prüfbedingungen sind jedoch nicht immer eindeutig definiert. Unternehmen außerhalb der EU unterliegen diesen Anforderungen nicht; die Verantwortung liegt beim in der EU ansässigen Importeur.
SESSION III: ARTIFICIAL INTELLIGENCE
Im Holzwerkstoffsektor werden große Datenmengen erfasst, doch rund 90 % davon bleiben ungenutzt. Dadurch sind Daten und Prozesse nicht miteinander verknüpft, was die Entscheidungsfindung in den Betrieben erschwert. Eine wirksame KI-Lösung nutzt eine Plattform zur Datenaggregation und erstellt daraus Handlungsempfehlungen. Die Entscheidung und Umsetzung liegen weiterhin beim Bedienpersonal, das die KI hinterfragt; gleichzeitig lernt das System kontinuierlich dazu. Letztlich führt die Integration von KI zu einer verbesserten Leistung im Herstellungsprozess von Holzwerkstoffen.
Die Zukunft der Holzwerkstoffproduktion liegt in einer „digitalen Datenkette“: von der Einführung einer kontinuierlichen Datenerfassung und der Entwicklung von Prozessmodellen, die implizites Wissen abbilden, bis hin zur Optimierung relevanter Prozesse. Ein wesentliches Merkmal ist die Online-Erfassung der dreidimensionalen Größenmerkmale der Holzspäne. Dies führt zu einer verbesserten Homogenität der Plattendichte und damit zu einer höheren Qualität. Schritt für Schritt sollen datenbasierte Modelle eingeführt werden, mit dem Ziel einer autonomen Prozesssteuerung.
Eine der Umweltanforderungen in der Trocknungstechnik ist die Emissionskontrolle. Sie wird nicht nur durch zunehmend strengere Vorschriften, sondern auch durch die Notwendigkeit eines intelligenten Ressourceneinsatzes und die steigende Wasserknappheit vorangetrieben. Die Reduzierung von partikel- und gasförmigen Emissionen erfordert daher moderne, effiziente und zugleich wirtschaftlich tragfähige Technologien. Für die Holzwerkstoffindustrie stehen entsprechende Konzepte zur Verfügung, die jedoch je nach hergestelltem Produkt spezifische Vor- und Nachteile aufweisen.
SESSION IV: RECYCLING
Die Rückgewinnung von Altholz als Sekundärrohstoff für neue Holzwerkstoffe ist ein wichtiger Aspekt einer nachhaltigen Wertschöpfungskette. Derzeit wird das Recycling noch durch uneinheitliche Sammelsysteme, die Konkurrenz zur energetischen Verwertung, logistische Einschränkungen und Fragen der Wirtschaftlichkeit erschwert. Nachhaltigkeit entwickelt sich jedoch zunehmend zu einem zentralen Entscheidungsfaktor, und die Nachfrage nach entsprechenden Technologien wächst.
Das größte Hindernis für das Recycling von MDF ist das bei der Herstellung verwendete Bindemittel. Der bei Spanplatten üblicherweise eingesetzte mechanische Recyclingprozess beeinträchtigt die Faserqualität und ist daher für MDF ungeeignet. Deshalb wurde eine neue, wegweisende Technologie auf Basis der Dampfexplosion entwickelt. Mit ihr können hochwertige Recyclingfasern aus MDF-Abfällen zu geringeren Kosten als bei der Verwendung von Frischholz zurückgewonnen werden. Tests haben gezeigt, dass sich recycelte Holzfasern ohne negative Auswirkungen auf die Faserqualität zur Herstellung von MDF- und HDF-Platten verwenden lassen.
Ein entscheidender Faktor bei der Herstellung von Holzspanplatten ist die Größenverteilung und Geometrie der Späne. Mit zunehmendem Anteil an Recyclingholz steigen grundsätzlich die Anforderungen an den Produktionsprozess. Dabei hängt der Einfluss der Spanformverteilung und der Kugelform der Späne auf die Plattenqualität vom Spanvolumen ab. Laborversuche zeigen, dass die Herstellung von Spänen mit einer Mühle mit adaptiver Schneidtechnologie und rückschwingenden Messern zu einer deutlich höheren Querzugfestigkeit der hergestellten Platten führt als die Verwendung von Spänen aus der Hammermühle.
SESSION V: DEVELOPMENTS
Ein Marktausblick für 2027 betrifft vor allem drei Kernfragen: a) Wo liegen die globalen Wachstumsregionen für Holzwerkstoffe? b) Wie verändern sich die Handelsströme? c) Warum stehen europäische Plattenwerke unter Druck?
Hieraus lassen sich verschiedene Szenarien ableiten:
Basis: Langsame Normalisierung mit moderater Nachfragebelebung und Kapazitätskonsolidierung in Europa; Investitionsschwerpunkt liegt auf Effizienz.
Upside: Handelsspannungen und Inlandsverlagerungen (Onshoring) beschleunigen den Kapazitätsaufbau in Europa, der Türkei und Nordamerika, was zu einem regionalen Wiederaufbau führt. Dadurch kehren Erweiterungsinvestitionen früher zurück.
Downside: Importe sowie Energie- und Harzkosten steigen stärker als die Absatzpreise, was den Kostendruck erhöht. Insolvenzen steigen weiter, insbesondere in der Möbelindustrie. Investitionen bleiben auf Instandhaltung beschränkt.
Wachse sind wichtige Additive bei der Herstellung von Holzwerkstoffen. Der traditionelle Beschaffungsweg über Erdölraffinerien verliert jedoch zunehmend an Bedeutung, während synthetische Wachse an Relevanz gewinnen. Ein zusätzlicher Vorteil besteht darin, dass sich ihre chemischen und physikalischen Eigenschaften gezielt steuern und an spezifische Anforderungen anpassen lassen. Dies gilt insbesondere für Nanowachsdispersionen, die gegenüber herkömmlichen Produkten zahlreiche Pluspunkte bieten: eine höhere Leistungsfähigkeit durch die größere Oberfläche, ein verbessertes Quellverhalten, gute Emulgierbarkeit und einen geringeren CO₂-Fußabdruck. Die Herstellung synthetischer Wachse ist zudem weitgehend unabhängig von Erdöl und Erdgas, was die Lieferkette auch in Krisenzeiten stabilisiert.
Wirtschaftlicher Erfolg setzt einen kontrollierten und stabilen Prozess bei der Herstellung von Holzwerkstoffplatten voraus. In diesem Zusammenhang sind die Verteilung des Flächengewichts (Masse pro Flächeneinheit) sowie die Kantengeometrie entscheidende Faktoren für Materialeffizienz und Produktqualität. Es können lokale Bereiche mit zu geringer oder zu hoher Materialverteilung auftreten. Zudem wird häufig zusätzliches Material für Schleifzugaben und Kantenverstärkungen benötigt. Eine Prozessregelung mithilfe hochauflösender Online-Röntgenmessungen ermöglicht eine gleichmäßigere Materialverteilung und reduziert das Risiko von Bereichen mit unzureichender Materialdichte. Dies führt zu optimierten Produkten sowie Einsparungen bei Holz, Harz und weiteren Additiven. Die automatische Regelung verringert außerdem die Arbeitsbelastung des Bedienpersonals.
Holzfaser-Dämmstoffe bieten zahlreiche Vorteile, darunter sommerlichen Hitzeschutz, Wasserdampfdurchlässigkeit, Schallschutz und Nachhaltigkeit. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie das Material bei der Herstellung schnell und effizient erwärmt werden kann. Ein innovativer Ansatz besteht darin, dies von innen heraus zu tun, indem elektrische Energie innerhalb des nichtleitenden Materials in Wärme umgewandelt wird. Ein hochfrequentes elektrisches Wechselfeld bringt die Partikel dabei zum Schwingen. Eine einzige Hochfrequenzpresse eignet sich sowohl für feste Platten als auch für flexible Matten. Dabei ist zu beachten, dass die Produktparameter den dielektrischen Erwärmungsprozess beeinflussen. In der Fertigungslinie gemessene Temperatur- und Leistungswerte können für die Prozesssteuerung genutzt werden.
SESSION VI: BINDER SYSTEMS & RAW MATERIALS
Gemäß der deutschen Altholzverordnung wird Holz, das zur Entsorgung oder Verwertung vorgesehen ist, auf bestimmte Schadstoffe untersucht und entsprechenden Kategorien zugeordnet. Die hierfür eingesetzten Analysemethoden sind komplex; bei einigen Parametern spielen historische Holzschutzmittel eine Rolle. Daher stellt sich die Frage, ob die Analyse von Holzschutzmitteln aus praktischer Sicht vereinfacht werden kann, um den Prozess zu beschleunigen und Kosten zu senken. Eine vielversprechende Technik für anorganische Bestandteile ist die Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA bzw. XRF). Sie vereinfacht sowohl die Probenvorbereitung als auch die Analyse erheblich. Derzeit werden Vergleichsmessungen zwischen XRF und konventionellen Verfahren ausgewertet, um die Eignung von XRF als Routinemethode für Altholz zu bewerten.
Die Rohstofflandschaft befindet sich im Wandel. Nachhaltigkeit und geringe Emissionen rücken zunehmend in den Fokus, während zugleich die Verfügbarkeit von Materialien und die Resilienz von Lieferketten an Bedeutung gewinnen. Lignin zählt zu den am häufigsten vorkommenden Polymeren, ist ein grundlegender Bestandteil von Holz und bietet ein breites Spektrum potenzieller Anwendungen. Als Bestandteil von Bindemitteln kann Lignin zahlreiche fossile Komponenten ersetzen. Dadurch sind ligninbasierte Bindemittellösungen besonders attraktiv. Derzeit vollzieht sich der Übergang von der Forschung zur industriellen Umsetzung.
Die folgenden anorganischen Systeme bieten eine Alternative zu organischen Bindemitteln. Zu ihren Vorteilen zählen ein deutlich geringerer CO₂-Fußabdruck im Vergleich zu Zement, Formaldehydfreiheit, eine verbesserte Feuerbeständigkeit sowie eine erhöhte Resistenz gegenüber Schimmelbildung und Pilzbefall. Magnesiumoxychlorid (MOC) ist hier besonders vielversprechend, da sein pH-Wert mit Holz kompatibel ist und die Aushärtung sowohl bei Umgebungstemperatur als auch bei erhöhten Temperaturen erfolgen kann. In Laborversuchen zeigen dolomitbasierte MOC-Systeme (DMOC) mit Haftvermittlern eine zuverlässige Aushärtung, eine wirksame Wechselwirkung mit Holz und gleichbleibende Festigkeitseigenschaften. Aufgrund ihrer geringen Emissionen sind mit DMOC gebundene Holzwerkstoffe eine Möglichkeit für Innenanwendungen.
Mineralgebundene Platten auf Basis von Holz- und Naturfasern können Zement teilweise ersetzen. Dafür müssen die Fasern chemisch modifiziert und das Bindemittelsystem optimiert werden. Ein wesentlicher Aspekt ist die Untersuchung der Faser-Matrix-Wechselwirkungen, um die mechanische Stabilität und Feuchtebeständigkeit dieser Verbundwerkstoffe für den Einsatz im Bauwesen zu verbessern. Dies erfordert die Kombination makroskopischer Materialprüfungen mit spektroskopischen Analysen, beispielsweise durch die Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen Wasser und Zellwänden. Ziel ist die Entwicklung nachhaltiger, langlebiger und feuerbeständiger Alternativen zu herkömmlichen Bauplatten und damit die Förderung einer biobasierten Kreislaufwirtschaft im Bausektor.
ZUSAMMENFASSUNG
Wie bereits in den vergangenen Jahren bot die Veranstaltung einen exzellenten Überblick über aktuelle wissenschaftliche und politische Entwicklungen in der Holzwerkstoffindustrie. Die 21 Vorträge deckten ein breites und spannendes Themenspektrum ab, das durch die Posterpräsentationen und Ausstellungsstände ergänzt wurde. Beiträge zur künstlichen Intelligenz haben große Aufmerksamkeit und Interesse auf sich gezogen, was die gegenwärtige und künftige Bedeutung dieses Werkzeugs unterstreicht. Weitere zentrale Themen waren die Risiken für Lieferketten durch politische Krisen und den Klimawandel, globale Handelsbeschränkungen sowie umweltrechtliche Anforderungen. Gleichzeitig haben diese Rahmenbedingungen die Entwicklung neuer, umweltfreundlicher Materialien und Technologien deutlich vorangetrieben. Es wurde klar, dass die Branche die Zeichen der Zeit erkannt hat und sich entsprechend neu ausrichtet. Man darf daher schon gespannt sein, welche Inhalte beim nächsten European Wood-based Panel Symposium 2028 präsentiert werden.